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Leitfaden für Käufer

Kleidung Paletten kaufen - Leitfaden für Wiederverkäufer

30. August 2026 · 7 Min. Lesezeit

Kleidung ist die einfachste Kategorie für den Einstieg und eine der schwierigsten in der Abrechnung. Nichts muss geprüft oder geladen werden, ein Teil ist in Sekunden bearbeitet, an Absatzkanälen fehlt es nicht. Die Schwierigkeit liegt woanders: Unter „Paletten Kleidung“ werden mindestens drei völlig unterschiedliche Dinge verkauft, und dieser Unterschied entscheidet, ob sich ein Posten trägt.

Drei Märkte unter einem Begriff

Der erste ist fabrikneue Kleidung mit Etikett: Kollektionsreste, Überproduktion, Ware aus einer geschlossenen Filiale. Der zweite sind Kundenretouren - neue oder anprobierte Teile aus dem Onlinehandel, meist in Originalverpackung. Der dritte ist Gebrauchtkleidung, sortiert oder unsortiert, nach Gewicht bepreist und nach einem ganz anderen Modell gehandelt. Drei Märkte, drei Preisniveaus, drei Käufergruppen, drei Risikoprofile. Sagt ein Angebot nicht ausdrücklich, wohin es gehört, ist das die erste zu klärende Frage.

Was den Wert eines Postens bestimmt

  • Die Größenkurve - ein Posten voller Randgrößen dreht deutlich langsamer als dieselbe Stückzahl mit nachfragenaher Verteilung
  • Saison und Verkaufsfenster - Winterware im Frühjahr gekauft bedeutet ein halbes Jahr Lager
  • Homogenität - ein Modell in vielen Größen wird anders bewertet als ein Mix aus Dutzenden Dessins
  • Vorhandene Markenetiketten, Barcodes und Pflege- sowie Materialangaben
  • Bekanntheit der Marke auf dem Markt, auf dem Sie tatsächlich verkaufen
  • Grad der Vorsortierung - ob die gängigen Teile bereits herausgenommen wurden
  • Zustand der Einzelverpackung, wenn Sie im Versandhandel verkaufen

Etiketten sind kein Detail

In der Europäischen Union verkaufte Textilien müssen mit einer Angabe zur Faserzusammensetzung gekennzeichnet sein. Ein Posten mit herausgetrennten Materialetiketten oder entfernten Markenzeichen liest sich im Inserat wie jeder andere, schränkt aber die zulässigen Absatzkanäle ein und verlagert die Kennzeichnungsarbeit auf Sie. Fragen Sie ausdrücklich nach, ob die Etiketten intakt sind, bevor Sie über den Preis sprechen.

Eine eigene Frage ist das Markenrecht. Markenware, die im Europäischen Wirtschaftsraum rechtmäßig in Verkehr gebracht wurde, darf weiterverkauft werden, aber die Herkunft des Postens muss belegbar sein. Eine Rechnung, deren Beschreibung dem Inhalt der Palette entspricht, ist dabei Ihre einzige Absicherung.

Bei Kleidung zahlen Sie nicht für Stückzahl. Sie zahlen für den Anteil, der sich in dieser Saison verkauft.

So rechnen Sie einen Posten durch

Die Rechnung ist im Aufbau einfach und im Detail unbarmherzig. Zum Postenpreis kommen Fracht, die Zeit fürs Auspacken und Sortieren, Fotos und Einstellen der Artikel, Versandmaterial, Retourenbearbeitung und die Lagerung dessen, was nach der Saison übrig bleibt. Danach schätzen Sie, welcher Anteil zum geplanten Preis weggeht und welcher erst im Abverkauf. Ein Posten, der beim Teilen des Preises durch die Stückzahl günstig aussieht, sieht nach dieser Rechnung häufig nicht mehr günstig aus.

Fragen vor dem Kauf

  • Handelt es sich um Neuware mit Etikett, um Kundenretouren oder um Gebrauchtkleidung
  • Wie ist die Größenverteilung und wie viele verschiedene Modelle enthält der Posten
  • Aus welcher Saison stammt die Ware und wurde der Posten bereits sortiert
  • Sind Markenetiketten und Materialangaben unversehrt
  • Gibt es eine Inhaltsaufstellung und ist sie Teil der vereinbarten Bedingungen
  • Wie viele Paletten, welches Gewicht, und wer organisiert die Abholung
  • Wie wird verfahren, wenn die Lieferung wesentlich von der Beschreibung abweicht

Warnsignale

  • Bekannte Markennamen in der Überschrift ohne jede Angabe zu ihrem Anteil am Posten
  • Fotos einzelner, besonders ansehnlicher Teile statt einer Aufnahme des gesamten Postens
  • Keine Antwort auf die Frage nach der Größenverteilung
  • Das Wort Mix als vollständige Inhaltsbeschreibung
  • Ein Preis, der ausschließlich über den Vergleich mit dem Ladenpreis begründet wird

Kleidung bleibt eine der besseren Kategorien für den Einstieg in den Postenhandel. Verdient wird daran aber, weil vor dem Kauf feststand, was auf der Palette liegt und in welcher Saison es sich verkauft.

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